Sicherheitsklassen RC1, RC2, RC3 — was Sie wirklich brauchen
Die DIN EN 1627 unterscheidet sechs Widerstandsklassen — von RC1 (Schutz nur gegen körperliche Gewalt) bis RC6 (für Hochsicherheitsanwendungen). Für private Wohnungen sind RC2 und RC3 relevant.
RC1 N — minimaler Schutz
RC1 N hält nur gegen körperliche Gewalt (Treten, Werfen, Anrennen) stand. Kein Werkzeug-Schutz! Sinnvoll nur für nicht zugängliche Bereiche im Obergeschoss oder Dachfenster ohne Leiterzugang. Für Erdgeschoss und niedrige Fenster ungeeignet. Polizei und Versicherungen erkennen RC1 nicht als Einbruchschutz an.
RC2 — die Polizei-Empfehlung
Hält 3 Minuten gegen Standard-Werkzeug (Schraubendreher, Zange, Keil). 79 Prozent aller Einbruchsversuche werden nach 3–5 Minuten ohne Erfolg abgebrochen — daher reicht RC2 für den typischen Gelegenheitstäter. Standard-Ausstattung: Pilzkopfverriegelung umlaufend (mind. 4 Stück), abschließbarer Griff mit 100-Nm-Sicherung, Sicherheitsverglasung P4A. Aufpreis gegenüber Standardfenster: 150–280 € pro Fenster. Empfehlung: alle Erdgeschoss-Fenster und alle leicht zugänglichen Fenster (z. B. neben Vordach, Garage, Mülltonnen).
RC2 N — eine wichtige Sondervariante
RC2 N entspricht RC2 — aber ohne die Anforderung an P4A-Verglasung (es darf Standard-VSG verbaut werden). Sinnvoll, wenn die Verglasung aus optischen Gründen oder Kostengründen nicht ausgetauscht werden soll, das Fenster aber sicherheitstechnisch aufgerüstet wird. Achtung: Die Polizei empfiehlt RC2 (mit P4A) statt RC2 N — Glasdurchwurf bleibt sonst eine Schwachstelle.
RC3 — gehobener Schutz
Hält 5 Minuten gegen erweitertes Werkzeug (zusätzlich Kuhfuß / Brecheisen). Verglasung P5A (höhere Durchwurfsicherheit). Sinnvoll bei freistehenden Häusern, abgelegenen Lagen, hochwertigen Häusern, oder wenn Erdgeschoss-Fenster komplett uneinsehbar von der Straße sind. Aufpreis gegenüber RC2: ca. 200–400 € pro Fenster. Für ein typisches EFH mit 6 Erdgeschoss-Fenstern reden wir über 1.500–2.500 € Mehrkosten gegenüber RC2 — für deutlich verlängerten Widerstand.
Wo lohnt welche Klasse?
Erdgeschoss-Fenster (frontal zur Straße einsehbar): RC2 empfohlen. Statistisch werden 70 % der Einbrüche im Erdgeschoss verübt. Erdgeschoss-Fenster (verdeckt, hinter Hecke / Vordach): RC3 empfohlen. Diese Lagen sind besonders gefährdet, weil der Einbrecher unbeobachtet arbeiten kann. Terrassen-Hebe-Schiebetür: mindestens RC2, bei größeren EFH RC3. Terrassentüren sind nach Statistik die Nr. 1 der Einbruchswege. Obergeschoss-Fenster, leicht zugänglich (über Vordach, Carport, Balkon): RC2 empfohlen. Einbrecher klettern dorthin, wenn unten alles dicht ist. Obergeschoss-Fenster, nicht zugänglich, Dachfenster: RC1 N reicht, in der Regel sogar Standardausstattung. Haustür: RC2 als Mindeststandard, RC3 für freistehende EFH empfohlen.
Das Wichtigste in Kürze
- ✓Polizei-Empfehlung: RC2 für alle Erdgeschoss-Fenster und Terrassentüren.
- ✓RC1 N ist kein echter Einbruchschutz — nicht für EFH.
- ✓RC3 empfiehlt sich bei verdeckten Lagen, abgelegenen Häusern oder Premium-Wohngebäuden.
- ✓Aufpreise: RC2 ca. 150–280 €/Fenster, RC3 ca. 200–400 € zusätzlich.
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